Tel: 028 41 - 88 2770
Bauen im Bestand: Kann der Auftraggeber Neubaustandard erwarten?

Bauen im Bestand: Kann der Auftraggeber Neubaustandard erwarten?

(05.02.2016) Wird ein Teil eines Bestandsgeb√§udes neu errichtet, kann der Auftraggeber davon ausgehen, dass der Neubaustandard eingehalten wird, wenn das m√∂glich ist. So urteilte das OLG Schleswig am 27.03.2015 - 1 U 87/10 in einem nunmehr ver√∂ffentlichten Urteil.

Das ist der Fall. Der Eigent√ľmer eines eingeschossigen Einfamilienhauses beauftragt den Architekten mit der Planung und √úberwachung der Aufstockung des Geb√§udes um ein Staffelgeschoss zum Zweck der Vermietung und etwas sp√§ter der Errichtung eines Anbaus hierzu. Noch w√§hrend der Bauphase beendet der Architekt seine T√§tigkeiten. Nach Bezug der Erweiterungsbauten durch den Mieter nimmt der Eigent√ľmer den Architekten auf Schadensersatz wegen einer Reihe von Planungs- und √úberwachungsm√§ngeln in Anspruch.

Zwischen der Decke des Altbaus und dem Fu√üboden der Aufstockung befinde sich kein ausreichender Trittschallschutz. Zudem √ľberschritten die H√∂henunterschiede zwischen den Stufen der zum Erweiterungsbau f√ľhrenden Treppe den Toleranzrahmen nach der DIN.

Der Architekt verteidigt sich damit, dass er in Absprache mit dem Eigent√ľmer geplant habe, den Schallschutz durch ein Abh√§ngen der Decke im Altbau herzustellen. Die verschiedenen Auftrittsh√∂hen seien erst nach vollst√§ndiger Montage der Wendeltreppe erkenn- und damit f√ľr eine sorgf√§ltige Bau√ľberwachung nicht vermeidbar gewesen.

Das OLG gibt dem Eigent√ľmer in seinem Urteil in beiden Punkten Recht!

Durch die geplante abgeh√§ngte Decke h√§tten unstreitig nur mittlere Schallschutzwerte nach DIN 4109 erreicht werden k√∂nnen. Die Planung habe indes von den erh√∂hten Schallschutzwerten der VDI 4100 auszugehen gehabt. Denn auch bei einem Umbau seien der Planung die aktuellen Schallschutzwerte zu Grunde zu legen, jedenfalls wenn erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz erfolgen (OLG D√ľsseldorf, IBR 2010, 675). Dies habe mit der Rechtsprechung des BGH zu dem zwischen Wohnungseigent√ľmern zu gew√§hrleistenden Schallschutz (IMR 2015, 237) nichts zu tun.

Etwaige Zustimmungen des Bauherrn zu bestimmten Planungen schl√∂ssen nur dann einen Mangel aus, wenn der Architekt ihn vorher vollst√§ndig √ľber Planungsvarianten aufgekl√§rt und belehrt habe (BGH, IBR 1996, 373).

Hinsichtlich der Treppe sei von einem √úberwachungsfehler auszugehen, da der Architekt deren Ma√ühaltigkeit nach Errichtung nicht √ľberpr√ľft habe, auch wenn dieser Fehler letztlich f√ľr die geltend gemachten Sch√§den nicht kausal geworden sei.